|  |  |
| Interview - Produktpiraterie in den Anfängen stoppen |
Mit Sennheiser und Shure haben sich zum ersten Male die größten Unternehmen der Mikrofon-Industrie zusammengetan und gehen mit Unterstützung der Administration for Industry and Commerce (AIC) gegen Produktpiraten vor. Rolf Meyer, Geschäftsführer Marketing Vertrieb der Sennheiser electronic GmbH & Co. KG klärt in einem Hintergrundgespräch den Standpunkt von Sennheiser zum Thema Produktpiraterie:
Ist Produktpiraterie für Hersteller im Bereich Musikindustrie (MI) ein großes Problem? Produktpiraterie ist in allen Branchen mit hochwertigen Gütern ein Problem. Betroffen sind Luxusgüter ebenso wie komplexe technische Produkte, die mit minderwertigen Materialien auf billige Weise nachgebaut werden. Die Erfahrung vor allem anderer Branchen mit diesem Problem macht deutlich, dass mit den gefälschten Produkten vor allem der Massenmarkt adressiert wird. Der MI-Markt ist bisher nicht so sehr im Fokus der Produktpiraten gewesen. Mit der Entwicklung neuer leistungsfähiger Mikrofone, die auch einen größeren Nutzerkreis ansprechen, ändert sich das jedoch. Produktpiraten versuchen jetzt auch den MI-Markt zu attackieren.
Welche Produkte sind bei Sennheiser besonders betroffen? Das Interesse der Produktpiraten gilt vor jetzt allem der evolution-Serie, die seit ihrer Markteinführung 1999 besonders erfolgreich ist.
In welchen Märkten sind bisher gefälschte Produkte aufgetaucht? Wir sind bisher vereinzelt im asiatischen Markt, vor allem in China, auf Fälschungen unserer Produkte aufmerksam geworden.
Wie ist Sennheiser auf diese Fälschungen aufmerksam geworden? Rein vom Äußeren her ist es schwierig, die Kopien zu erkennen. Dass er eine Kopie erstanden hat, merkt der Kunde erst am schlechten Klang und der minderwertigen Funktion. Wir sind unseren Kunden mit einem hohen Qualitätsstandard verpflichtet. Das gilt für unsere Produkte und auch für den Service, der von lokalen Partnern und Vertriebsgesellschaften geleistet wird. Unsere vertrauenswürdigen Partner beobachten das Geschehen im Markt sehr genau und geben sofort Nachricht, wenn Fälschungen auftauchen. Darüber hinaus beschäftigen wir lokale Agenten, die den Fälschermarkt beobachten. Mit diesen zuverlässigen Mitarbeitern haben wir ein dichtes Informationsnetz aufgebaut. Diese wirkungsvolle Infrastruktur erlaubt es uns, auch international sehr schnell zu reagieren. Konsequentes und schnelles Verhalten unsererseits verhindert eine Ausbreitung des Problems. Die Fälscher haben dann praktisch keine Chance, ihre minderwertigen Produkte im Markt zu platzieren.
Wie läuft das konkret ab? Um die Arbeit unserer Mitarbeiter nicht zu stören, können wir dazu aus verständlichen Gründen keine detaillierten Angaben machen. Wichtig ist sicherlich die Feststellung, dass die Arbeit dieser Profis nicht regional oder auf ein bestimmtes Land beschränkt ist. Wir beobachten den Markt weltweit.
Wie reagieren die lokalen Behörden? Unsere Erfahrung ist, dass die jeweiligen Behörden vor Ort sehr kooperativ sind und ebenfalls ein starkes Interesse daran haben, die Produktpiraterie zu stoppen.
Wie hoch ist der bisher entstandene Schaden für die Branche und für Sennheiser? Dank der konsequenten und weltweiten Marktbeobachtung, die wir seit Jahren machen, kann der Produktpiraterie in unserer Branche schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt Einhalt geboten werden. Für unsere Branche und unser Unternehmen fällt der entstandene Schaden kaum ins Gewicht. Andere Branchen, wie zum Beispiel die Softwarebranche oder auch die Uhrenindustrie, sind in viel stärkerem Maße betroffen. Deren finanzieller Schaden erreicht jedes Jahr die Milliardenhöhe. Zusätzlich zum entgangenen Umsatz geht es aber vor allem um das Vertrauen der Kunden, das nachhaltig erschüttert werden kann. Die Enttäuschung über ein minderwertiges, gefälschtes Produkt kann auch negative Auswirkungen auf die Kaufentscheidungen bei den Originalprodukten haben. Der gute Name und das Image des Herstellers können nachhaltig leiden.
Wie können Sie dem Kunden Sicherheit geben, dass er von seinem Händler ein Originalprodukt erhält? Zum einen sorgen wir bei den Verpackungen dafür, dass der Kunde ein unverwechselbares Originalprodukt erhält. Zum anderen werden die Produkte selber Merkmale erhalten, die dem Kunden ein Höchstmaß an Sicherheit verschaffen. Dabei setzen wir auf neueste technische Verfahren. Sicherheitsspezialisten sorgen dafür, dass wir den Fälschern immer einige Schritte voraus sind und unsere Produkte unverwechselbar bleiben.
Welche Rolle spielt bei der Produktpiraterie die Zusammenarbeit mit Ihrem Wettbewerber Shure? Bei Produktpiraterie handelt es sich um ein massives Problem, das dem Ansehen der gesamten Branche Schaden zufügt. Da ist es nur konsequent, mit dem Wettbewerb wirkungsvolle Aktionen gegen einen gemeinsamen Gegner zu planen und umzusetzen. Mit Sennheiser und Shure haben sich die größten Unternehmen der Mikrofon-Industrie zusammengetan und bilden ein schlagkräftiges Team, das den Produktpiraten keine Chance lässt, einen expandierenden Markt wie China zu stören.
Die Arbeit gegen Produktpiraterie geht für Sennheiser sogar über die eigene Branche hinaus: Wir sind der Überzeugung, dass die Fälschung von jedweden Produkten volkswirtschaftlich einen großen Schaden anrichtet. Dabei geht es auch um die Vernichtung von Arbeitsplätzen und sozialer Sicherheit. Das gilt sowohl für die Unternehmen, deren Produkte unrechtmäßig kopiert werden, als auch für die Menschen, die in den Produktionsstätten der Fälscher arbeiten. Sie werden schlecht bezahlt und müssen zudem jederzeit mit dem Verlust ihres Arbeitsplatzes rechnen. Deshalb engagieren wir uns im APM, dem Aktionskreis Deutsche Wirtschaft gegen Produkt- und Markenpiraterie e.V., in dem auch andere namhafte Unternehmen wie die Audi AG, Robert Bosch GmbH, Daimler Chrysler AG sowie die Henkel AG, Siemens AG und Volkswagen AG vertreten sind.
|
 |  | |