| Aussterbende Spezies? Frequenzvergabe-Politik bedroht drahtlose Mikrofone |
| 27.03.2007 Frankfurt/Wedemark |
Werden die energiegeladenen und raumgreifenden Bühnenshows von Künstlern wie Madonna und Nelly Furtado bald nicht mehr möglich sein? Wird sich der künstlerische Ausdruck in Zukunft darauf beschränken, ein Mikrofonstativ zu schwenken oder ein Mikrofonkabel hinter sich herzuziehen? „Im Moment sieht es noch so aus“, warnt Volker Bartels, Sprecher der Unternehmensleitung des Audiospezialisten Sennheiser electronic GmbH & Co. KG. „Mobilfunkanbieter haben die Jagd auf mehr Spektrumsplatz eröffnet, und das drahtlose Mikrofon, das keine finanzstarke Lobby hinter sich hat, scheint da als Nutzer im Wege zu stehen.“
Drahtlose Mikrofone sind als Sekundärnutzer im VHF- und UHF-Spektrum anerkannt, sie dürfen dort betrieben werden, solange sie die Primärnutzer Fernsehen und Rundfunk nicht stören. Das wurde in den Verträgen von Stockholm (1961) und Chester (1997) festgelegt. Doch diese friedliche Koexistenz ist bedroht. Die Arbeitsgruppe TG 4 der European Communications Commission hat es sich zum Ziel gesetzt, das Abkommen zu beseitigen — und das scheinbar freie Frequenzspektrum weckt Begehrlichkeiten bei neuen Diensten. „Durch die Einführung des digitalen Fernsehens DVB-T ist der Frequenzraum, der drahtlosen Mikrofonen zur Verfügung stand, schon deutlich geschrumpft“, erläutert Volker Bartels. „Jetzt stehen Mobilfunkanbieter, drahtloses DSL und das Handyfernsehen DVB-H vor der Tür und verlangen in erheblichem Umfang mehr und neue Frequenzen, vor allem im UHF-Bereich.“
„Die Folgen für die Entertainment- und Eventindustrie wären fatal“, erklärt der Geschäftsführer Produktion und Logistik. „Man stelle sich nur vor, wie ein Musical mit drahtgebundenen Mikrofonen aussehen würde. Oder das Konzert des Lieblingskünstlers. Musikfestivals, Stadienbeschallung, Filmproduktionen, Theaterdarbietungen — alles funktioniert heute reibungslos mit drahtlosen Mikrofonen. Die Produktion von Programminhalten, große Sportevents wie die Olympischen Spiele oder Fußball-Weltmeisterschaften, Nachrichten-Berichterstattung — alle verlassen sich auf Drahtlostechnik.“ Im Jubiläumsjahr stehen die Zeichen auf Sturm Vor genau 50 Jahren stellte Sennheiser sein erstes drahtloses Mikrofon in Frankfurt vor; 25 Jahre ist es her, dass das Unternehmen die ersten UHF-Mikrofonsysteme für das deutsche Fernsehen fertigte. Mit diesen Mikrofonsystemen hielt eine ganz neue Qualität Einzug in die Medien-Produktion, eine Qualität und Bewegungsfreiheit, auf die die Zuschauer nicht verzichten wollen.
Allein in Europa sind zwischen 2005 und 2006 rund 20% mehr professionelle drahtlose Mikrofonsysteme in Betrieb genommen worden — eine Zahl, die die enorme Bedeutung der drahtlosen Audiotechnik in Medienproduktion und Entertainment unterstreicht. „Wir schätzen, dass allein in Europa momentan vier bis fünf Millionen professionelle drahtlose Mikrofonsysteme in Betrieb sind“, erläutert Volker Bartels. „Und diese Mikrofone dürfen nicht isoliert gesehen werden. Denn sie stehen am Anfang einer Produktionskette, die die Inhalte schafft, die alle Bürger sehen möchten — auch Nutzer von DVB-H und Drahtlos-DSL. Ich appelliere daher an die Verantwortlichen, das Chester-Abkommen weiter fortzuführen, das heißt, drahtlose Mikrofone zu schützen und die dafür notwendigen Frequenzbereiche zu garantieren. Wenn hier Fehler gemacht werden, steht die gesamte zukünftige Medienproduktion auf dem Spiel.“
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Als einer der weltweit führenden Hersteller von Mikrofonen, Kopfhörern und drahtlosen Übertragungssystemen erzielte die Sennheiser-Gruppe mit Sitz in der Wedemark im Jahr 2005 einen Umsatz von rund 300 Millionen Euro. Der Exportanteil liegt bei 82,5%. Insgesamt beschäftigt Sennheiser über 1650 Mitarbeiter, davon rund 60% in Deutschland. Sennheiser operiert weltweit mit eigenen Tochtergesellschaften in Frankreich, UK, Belgien, den Niederlanden, Dänemark, Indien, Singapur, Kanada, Mexiko und den USA.
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