e 614: Details akustischer Gitarren präzise einfangen
Elektrische Gitarren dominieren häufig die Diskussion über Gitarrenmikrofone, doch bei Akustikgitarren entscheidet die Wahl des richtigen Mikrofons oft über die Qualität der Aufnahme.
Anstatt einen Lautsprecher mit hohem Schalldruckpegel abzunehmen, gilt es, das Zusammenspiel von Saiten, Anschlag, Korpusresonanz und der Luftbewegung rund um das Instrument naturgetreu einzufangen. Genau hier spielt ein Kondensatormikrofon wie das
e 614 seine Stärken aus.
Das e 614 ist ein kompaktes Kondensatormikrofon mit Supernierencharakteristik, nahezu linearem Frequenzgang von 40 Hz bis 20 kHz und schnellem Impulsverhalten. Diese Eigenschaften ermöglichen eine präzise Wiedergabe des unmittelbaren Anschlags von Plektrum oder Fingern auf den Saiten und bewahren gleichzeitig die hohen Frequenzanteile, die einer Akustikgitarre ihre Offenheit verleihen.
Die Positionierung hat erheblichen Einfluss auf das Ergebnis. Eine direkte Ausrichtung auf das Schallloch erzeugt in der Regel mehr Tieffrequenzanteile, als die meisten Mischungen benötigen. Ein klassischer Ausgangspunkt ist die Position etwa auf Höhe des 12. Bundes, leicht zum Korpus angewinkelt. Eine Platzierung näher an der Brücke verändert das Verhältnis von Korpusfülle und Saitendetails, während ein größerer Abstand zum Instrument mehr Raumanteil einfängt.
MD 441-U: Wenn ein Mikrofon fast alles können soll
Das
MD 441-U als vielseitig zu bezeichnen, wird ihm beinahe nicht gerecht. Es ist ein dynamisches Mikrofon mit Supernierencharakteristik, außergewöhnlich erweitertem Frequenzgang von 30 Hz bis 20 kHz, fünfstufiger Bassabsenkung, schaltbarer Höhenanhebung, hervorragender Rückkopplungsunterdrückung und einem Ruf für Detailtreue, die man normalerweise eher von Kondensatormikrofonen erwartet.
Fragt man in der Branche nach oder recherchiert online, findet man unzählige Audioingenieure, die dieses Mikrofon für nahezu jede Anwendung einsetzen. Viele bevorzugen es sogar gegenüber zahlreichen Kondensatormikrofonen.
Dennoch ist es auch als Gitarrenmikrofon eine Legende für sich.
Vor einer E-Gitarrenbox positioniert, bietet es die Robustheit und hohe Schalldruckfestigkeit, die von einem dynamischen Mikrofon erwartet werden, kombiniert mit ausreichend Frequenzumfang und Detailreichtum, um den vollständigen Charakter des Verstärkers einzufangen. Die integrierten Bass- und Höhenregler bieten zudem deutlich mehr Möglichkeiten, das Mikrofon an die jeweilige Schallquelle anzupassen.
Es ist überraschend, wie vollständig das Klangbild ist, das ein einzelnes MD 441 liefern kann. Während andere dynamische Mikrofone oft erst in Kombination mit einem Bändchenmikrofon ihre volle Wirkung entfalten, überzeugt das MD 441 allein vor High-Gain-Stacks, Blues-Combos und sogar Akustikgitarren.
Das MD 441-U war nie dafür gedacht, auf eine einzelne Anwendung beschränkt zu sein. Für Gitarristen, die ein anspruchsvolles Projektstudio aufbauen, oder für Toningenieure, die Mikrofone suchen, die während einer gesamten Session vielseitig eingesetzt werden können, ist dies das passende Sennheiser Modell.
MD 21-U: Eine Old-School-Alternative mit Biss
Der
MD 21-U ist möglicherweise der Außenseiter in dieser Gruppe. Im Gegensatz zu den bislang vorgestellten Richtmikrofonen verfügt das MD 21-U über eine Kugelcharakteristik. Ursprünglich für Rundfunkanwendungen entwickelt, kombiniert es einen gleichmäßigen Frequenzgang mit einer äußerst robusten Konstruktion sowie hoher Unempfindlichkeit gegenüber Griffgeräuschen, Windgeräuschen und Popplauten.
Diese Kugelcharakteristik verändert den Ansatz bei der Abnahme eines Gitarrenverstärkers grundlegend. Anstatt die Schallanteile rund um die Gitarrenbox konsequent auszublenden, nimmt das MD 21-U mehr von der Umgebung auf. In einem akustisch gut klingenden Raum kann genau das der gewünschte Effekt sein.
Dieses Mikrofon glänzt besonders bei E-Gitarren, insbesondere bei High-Gain-Sounds. Seine einzigartige Klangcharakteristik fängt eine wunderbar rohe, aggressive Note ein, ohne dabei an Tieftonfülle zu verlieren. Wird es das e 609 ersetzen? Wahrscheinlich nicht. Dennoch ist es ein äußerst inspirierendes Gitarrenmikrofon mit ganz eigenem Charakter.
Darüber hinaus eröffnet es andere Möglichkeiten der Mikrofonpositionierung. Es kann zunächst dort platziert werden, wo normalerweise ein Nahmikrofon verwendet wird, und anschließend schrittweise weiter vom Lautsprecher entfernt werden. Mit zunehmendem Abstand gewinnt der Raumklang immer mehr Einfluss auf das Gesamtergebnis.
Die Wahl des besten Sennheiser Mikrofons für Ihre Gitarre
So, welches Modell ist die richtige Wahl?
Wenn eine Gitarrenbox schnell, zuverlässig und kosteneffizient mikrofoniert werden soll, ist das e 609 der ideale Ausgangspunkt. Es wurde speziell für diese Aufgabe entwickelt, und sein flaches Gehäuse, die Supernierencharakteristik sowie seine speziell auf Gitarren abgestimmte Klangsignatur machen es gleichermaßen attraktiv für tourende Gitarristen und Live-Sound-Techniker.
Wird dasselbe Grundkonzept mit zusätzlichen Möglichkeiten zur Klanggestaltung gesucht, ist das e 906 die nächste Wahl.
Soll der legendäre Klang des MD 421 eingefangen werden? Nun ja... dann führt kaum ein Weg am MD 421-II oder MD 421 Kompakt vorbei.
Für Aufnahmen von Akustikgitarren bietet das e 614 die Detailtreue und das Impulsverhalten eines Kondensatormikrofons.
Wer eines der vielseitigsten dynamischen Mikrofone von Sennheiser sucht, findet im MD 441-U die passende Lösung.
Und wer sich vom klassischen Nahmikrofon-Sound lösen und mit einer Klangcharakteristik experimentieren möchte, die einer Aufnahme ihren ganz eigenen Charakter verleiht, sollte das MD 21-U ausprobieren.
Letztlich gilt: Das beste Gitarrenmikrofon ist nicht zwangsläufig das Modell mit den beeindruckendsten technischen Daten. Es ist das Mikrofon, das möglichst schnell, effizient und klanglich überzeugend genau den Gitarrensound liefert, der gesucht wird. Deshalb lohnt es sich, sie alle auszuprobieren. Denn wer verwendet schon nur ein einziges Mikrofon?