Magali Couturier hatte nicht geplant, Live-Tontechnikerin zu werden. Eigentlich hatte sie gar nichts geplant. Außer vielleicht, nicht das zu tun, was man von ihr erwartete. „Ich war ein wütender Teenager mit einem großen Autoritätsproblem“, erinnert sie sich. „Ich hatte gute Noten, und meine Eltern erwarteten, dass ich ein langwieriges Studium absolvierte. Aber ich wollte von niemandem gesagt bekommen, was ich zu tun hatte.“
Was sie stattdessen wollte, wusste sie selbst nicht genau, bis sie in der Nähe ihrer Heimatstadt in Frankreich zufällig jemanden traf, der eine Bühne für ein lokales Konzert aufbaute. Er ist nicht aufgetreten. Er verlegte Kabel. Und richtete die Ausrüstung ein. Bereitete alles für die Show vor. Und das Wichtigste: Er sagte, dass sei sein Beruf. Bis dahin hatte Magali nicht gewusst, dass es diesen Beruf überhaupt gibt. „Von allen Jobs, von denen ich gehört hatte, klang dieser am interessantesten“, erzählt sie lachend.
Sie war 16 Jahre alt, hatte noch nie ein Mischpult berührt und wusste nicht, was es bedeutet, Tontechnikerin zu sein. Aber seit diesem Abend war sie fest entschlossen, es herauszufinden.
Übung macht den Soundprofi
Couturier folgte keinem geraden Karriereweg. Sie begann eine zweijährige Ausbildung in audiovisueller Produktion – nicht genau Live-Musik, aber nah genug für einen Anfang. Sie absolvierte Praktika in einem Club in Paris (wo sie Radiohead traf, bevor sie berühmt wurden), in einem Tonstudio (was sie als Option schnell ausschloss) und beim ikonischen französischen Fernsehsender Canal+. „Da konnte ich die ersten guten Kontakte knüpfen“, erklärt sie.
Doch den eigentlichen Wendepunkt stellte ihre (eigentlich regelwidrige) Teilnahme an einem europäischen Praktikumsprogramm dar, das sie nach England führte. „Ich war 19. Das Programm war für Arbeitslose über 25 gedacht, und ich hatte noch nie gearbeitet“, erinnert sie sich lachend. „Ich weiß bis heute nicht, warum sie mich aufgenommen haben.“
Sie fand ihren eigenen Praktikumsplatz durch Initiativbewerbungen bei Veranstaltungsstätten, die sie in den Fachzeitschriften Melody Maker und NME fand. Nach einem Fehlstart, der mehr von Alkohol als von Arbeit am Mischpult geprägt war, vermittelte ihr ein Bekannter aus Paris einen Kontakt zu einem Tontechnik-Verleih in Daventry. Sie nahmen sie, ließen sie aber nicht direkt ans Mischpult.
„Man lernt erst einmal, Tee zu kochen. Dann putzt man die Kabel. Und wäscht die Flightcases. Es ist körperliche Arbeit. Es ist schmutzige Arbeit. Ich wusste nicht, dass ich das tun musste, und ich wusste auch nicht, dass ich es tun konnte. Aber ich habe gelernt.“
Respekt ist kein Geschenk, sondern eine Mischung aus Glück und harter Arbeit
Ihre Referenzen brachten ihr keinen Respekt ein. Auch nicht ihre Geduld. Es war ein langsamer Prozess, basierend auf ihrer Leistung. „Jahrelang ist gar nichts passiert“, betont sie. „Du rollst Kabel auf, steckst Mikrofone ein, und wenn du Glück hast, lässt man dich mal kurz ans Mischpult.“
Was sich geändert hat, war nicht der Job, sondern ihr Ruf. „Sobald ich von Bands engagiert wurde, begannen die Leute, mich anders zu behandeln. Es war der Beweis dafür, dass ich den Job machen kann.“
Ihre großer Durchbruch war nicht viel mehr als ein Zufall. Sie arbeitete bei einer Show für The Dandy Warhols – die keine Monitor-Techniker*innen im Team hatten, also sprang sie ein. „Ich dachte nicht, dass sie es ernst meinten, als sie mich baten, mit ihnen auf Tour zu gehen. Die Leute sagen so etwas ständig.“ Doch am nächsten Tag meldeten sie sich wieder bei ihr. „Das ist jetzt 27 Jahre her. Und ich arbeite immer noch mit ihnen zusammen.“
Die Kunst des Monitorings: Vorausschauen, statt reagieren
Wenn Sie Couturier fragen, was gute Monitor-Techniker*innen ausmacht, dürfen Sie keine Auflistung technischer Daten oder guter Plug-ins als Antwort erwarten. Ihre Devise ist simpel: „Sie müssen sich in die Künstler*innen hineinversetzen können. Sie müssen wissen, was sie brauchen, bevor sie es selbst wissen. Ohne zu meinen, Sie wüssten es besser. Denn das tun Sie nicht.“
In der Monitortechnik geht es nicht darum, aufgetretene Probleme zu beheben. Es geht darum, die Perspektive der Künstler*innen zu verstehen und Veränderungen in Stimmung, Bewegung und Ton vorauszusehen. „Selbst Topstars sagen mir manchmal: ‚Schau einfach, dass es genauso klingt wie auf dem Album.’ Aber eine Bühne ist natürlich immer etwas anderes als ein Album. Trotzdem versuche ich, ihnen zu geben, was sie brauchen, um sich sicher und inspiriert zu fühlen. Meine Aufgabe ist es, das in etwas Hilfreiches umzusetzen.“
Eines der größten Komplimente, die sie erhalten hat: „Ein Künstler hat mir einmal gesagt: ‚Danke, dass du meine Ohren bist.’ Genau so ist es.“
Couturier hielt nie viel von Marken oder Gadgets. „Ich mische Musik. Ich mische Töne. Ich mische Energie. Nicht nur Sound. Die Technik kann man erlernen. Aber der Rest, die Verbindung, das Feingefühl, das muss man sich verdienen, indem man präsent ist. Indem man sich engagiert.“
Der Preis der Leidenschaft
Dieses Engagement hat seinen Preis. In den ersten Jahren arbeitete Couturier ohne Bezahlung. „Und ich bin im Alter von 20 bis 35 nicht ein Mal im Urlaub gewesen“, gibt sie zu. „Ich habe jeden Tag gearbeitet. Ich habe nicht gefragt, was ich dafür bekomme. Ich wollte einfach gut sein.“
Sie ist skeptisch gegenüber jüngeren Generationen, die von Anfang an nach Geld fragen oder sich auf Tablets verlassen, um aus der Ferne zu mischen. „Man muss nah an der Bühne sein. Der Band zuschauen. Die Atmosphäre auf sich wirken lassen. Diesen Job erlernt man nicht am iPad.“
Das ist keine Verbitterung. Es ist Ehrfurcht vor einem Handwerk, das ihr Leben geprägt hat. „Dieser Beruf hat mir alles gegeben. Und alles genommen. Man muss wissen, wofür man es macht.“
Ungeschönte Ratschläge
Denjenigen, die in ihre Fußstapfen treten möchten, bietet sie keine aufmunternden Worte und keine glanzvollen Versprechen. „Zuallererst muss man wissen, dass man nichts weiß. Und das darf einem nichts ausmachen.“
Sie hat nichts gegen eine offizielle Ausbildung, schwört aber auf praktische Erfahrungen. „Der beste Unterricht war für mich, Menschen zu beobachten, die sich auf ihr Handwerk verstanden. Ich habe Fragen gestellt. Habe mich angepasst. Und war demütig.“
Und wenn alles gut läuft, wenn ein* Künstler*in mitten in der Show lächelnd aufschaut, wenn ein Soundcheck reibungslos klappt, wenn der Mix stimmt, ist das immer noch ein magischer Moment. „Es gibt nichts Vergleichbares. Das ist Kunst. Und ich habe das Glück, Teil davon zu sein.“
Info:
Magali Couturier (Mags) ist unabhängige Monitor-Technikerin aus Frankreich. Sie arbeitet mit Künstler*innen und Bands wie PJ Harvey, My Bloody Valentine, Rufus Wainwright, Courtney Barnett, Marianne Faithfull, Gary Numan und vielen anderen zusammen.